Kapitel 03
Reinigung & Pflege
Die Revision - fachsprachlich oft schlicht „Reinigung und Ölung“ - ist die wichtigste und häufigste Arbeit an einer alten Uhr. Richtig gemacht, schenkt sie dem Werk viele weitere Jahrzehnte.
Ein Uhrwerk verlangt etwa alle fünf bis zehn Jahre eine gründliche Reinigung. Über diese Zeit altert das Öl, Staub dringt ein, und der Schmierfilm verharzt. Eine vollständige Revision bedeutet: das Werk zerlegen, alle Teile reinigen, auf Verschleiß prüfen, wieder zusammensetzen und gezielt an den richtigen Stellen ölen. „Mal eben einölen“ ohne Reinigung richtet dagegen mehr Schaden an als Nutzen.
Vor dem Zerlegen: Feder entspannen
Bei federgetriebenen Werken muss vor der Demontage zwingend die Zugfeder kontrolliert abgelassen werden. Eine gespannte Feder, die sich beim Lösen der Platinen löst, ist gefährlich und zerstört das Werk. Gewichte und Pendel bei stehenden Uhren ebenfalls vorher abnehmen.
Schritt für Schritt
- Dokumentieren Vor dem Zerlegen fotografieren und Lage von Federn, Hebeln und Brücken notieren. Beim Wiederzusammenbau ist jede Notiz Gold wert.
- Antrieb entlasten Zugfeder kontrolliert ablaufen lassen bzw. Gewichte und Pendel abnehmen, damit beim Öffnen keine Energie mehr im Werk steckt.
- Werk zerlegen Platinen lösen, Räderwerk, Hemmung und Federhaus einzeln entnehmen. Schrauben und Kleinteile nach Baugruppen getrennt ablegen.
- Reinigen Teile im Reinigungsbad säubern - von Hand in Reinigungsbenzin/Petroleum oder im Ultraschallbad mit geeignetem Uhrenreiniger. Lagerbohrungen mit Pegholz (Putzholz) ausstechen, bis sie blank sind.
- Spülen & trocknen Reinigerreste vollständig entfernen und die Teile rückstandsfrei trocknen. Feuchtigkeit in Lagern führt zu Rost und neuem Stillstand.
- Prüfen Jedes Teil auf Verschleiß kontrollieren: ausgelaufene Lager, abgenutzte Zapfen, beschädigte Zähne, Zustand der Hemmung. Jetzt - nicht später - ausbüchsen oder austauschen.
- Zusammenbauen Werk trocken (ungeölt) montieren und das freie Spiel des Räderwerks prüfen. Es muss sich leicht und ohne Klemmen durchdrehen lassen.
- Ölen Mit dem Ölgeber sparsam und gezielt nur an die vorgesehenen Punkte: Lager, Hemmung, Federhaus. Zu viel Öl ist so schädlich wie zu wenig.
- Einregulieren Werk in Gang setzen, Schlag prüfen und über mehrere Tage die Ganggenauigkeit feinjustieren.
Womit gereinigt wird
Für die Reinigung haben sich Reinigungsbenzin (Waschbenzin) oder Petroleum bewährt, dazu spezielle, oft ammoniakhaltige Uhrenreiniger für das Ultraschallbad. Wichtig ist gute Belüftung und Brandschutz, da diese Mittel leicht entzündlich sind. Hartnäckige Verharzungen in den Lagerbohrungen löst man mechanisch mit angespitztem Pegholz.
Womit geölt wird
Ans Werk gehört ausschließlich echtes Uhrenöl - etwa die bekannten synthetischen Öle von Moebius - in der zum Bauteil passenden Viskosität: dünnflüssig für die schnelllaufende Hemmung, zähflüssiger für die Zugfeder. Aufgetragen wird tröpfchenweise mit dem Ölgeber, nur an die dafür vorgesehenen Ölsenkungen.
Diese Mittel niemals verwenden
Kein WD-40, kein Nähmaschinen- oder Haushaltsöl, kein Speiseöl und kein Kriechöl. Solche Mittel verharzen, verkleben das Werk und ziehen Staub an - sie verwandeln eine reparable Uhr oft in einen aufwendigen Sanierungsfall. Ebenso wenig gehören Schleifpasten oder Metallpolituren ans Räderwerk.
Laufende Pflege ohne Werkzeug
Auch ohne das Werk zu öffnen kann man viel für eine antike Uhr tun:
- Stabil und waagerecht aufstellen. Pendeluhren brauchen einen festen, senkrechten Stand, damit sie im Schlag bleiben.
- Regelmäßig und vollständig aufziehen, am besten zur gleichen Tageszeit - das hält das Drehmoment gleichmäßig.
- Vor Staub, Feuchtigkeit und direkter Sonne schützen. Staub ist der natürliche Feind jedes Schmierfilms.
- Erschütterungen vermeiden. Beim Transport stets Pendel und Gewichte abnehmen und sichern.
- Nicht selbst nachölen. Öl über altes Harz verschlimmert die Lage; lieber die fällige Revision durchführen (lassen).
Wie oft ist Pflege nötig?
Faustregel: vollständige Revision alle 5–10 Jahre, je nach Laufleistung und Umgebung. Eine Uhr, die plötzlich stehen bleibt oder unregelmäßig tickt, signalisiert meist, dass das Öl verbraucht ist - ein Zeichen, die Revision nicht weiter aufzuschieben.